100 Frauen in einem Weinberg

Für Pas­san­ten, res­pek­ti­ve Au­to­fah­rer, die am Sams­tag­nach­mit­tag nach Ahn fuh­ren bot sich ein durch­aus sym­pa­thi­sches Schau­spiel am Orts­ein­gang. In der Tat hat­ten sich dort et­wa hun­dert Frau­en zu­sam­men­ge­fun­den, dies auf Ein­la­dung des na­tio­na­len Frau­en­ra­tes, um die weib­li­chen Kan­di­da­tin­nen für die dies­jäh­ri­gen Ge­mein­de­wah­len zu eh­ren.

Die Ini­tia­ti­ve wie­der­holt sich in der Tat zum drit­ten Mal: erst­mals wur­de 1999 den Kan­di­da­tin­nen für die Ge­mein­de­wah­len ein Wäld­chen im Nor­den des Lan­des ge­pflanzt; 2005 war der Ort die­ser Be­geg­nung, samt Ein­wei­hung ei­nes Ge­denk­stei­nes, im “Bam­bësch” wäh­rend in die­sem Jahr Win­ze­rin Chris­tia­ne Ley ei­nen Wein­berg zur Ver­fü­gung ge­stellt hat­te, in dem den Kan­di­da­tin­nen für die Ge­mein­de­wah­len Re­ben ge­pflanzt wur­den.

Al­les in al­lem war die gu­te Lau­ne vor Ort, und so­wohl die Ver­tre­te­rin­nen des na­tio­na­len Frau­en­ra­tes, als auch die Kan­di­da­tin­nen aus al­len Par­tei­en und al­len Re­gio­nen des Lan­des wa­ren ein­ge­trof­fen, um sich ge­gen­sei­tig Mut für die kom­men­de Ver­ab­re­dung mit dem Wäh­ler zu­zu­sprec­hen.

Ungenügende weibliche Präsenz
in der Politik

Die Prä­si­den­tin des na­tio­na­len Frau­en­ra­tes Jo­ël­le Letsch kam dann auch auf die Ent­wick­lung der weib­lic­hen Prä­senz in der lo­kal­po­li­ti­schen Sze­ne zu sprec­hen. In den Pro­porz­ge­mein­den wer­den et­was mehr als 36% Kan­di­da­tin­nen ge­zählt, ge­gen 33% im Jah­re 2005. Was jetzt die Par­tei­en an­be­langt, lie­gen die Grü­nen mit 46% vor, ge­folgt von der CSV mit 34%; die LSAP ver­zeich­net ei­nen Frau­en­an­teil von 33%, und die DP von 31,5%. Die klei­ne­ren Par­tei­en, wie die KPL und die Lénk, ver­zeich­nen ih­rer­seits wie­der ei­nen re­la­tiv ho­hen Frau­en­an­teil un­ter den Kan­di­da­tin­nen. Ins­ge­samt ha­ben fast al­le Par­tei­en ih­ren Frau­en­an­teil seit 2005 ver­bes­sert. Die Ge­mein­den Dü­de­lin­gen, Schiff­lin­gen und Stras­sen re­gis­trie­ren e­ben­falls ei­nen ho­hen An­teil an weib­lic­hen Kan­di­da­tin­nen.

Auf Ge­mein­de­e­be­ne sind nur 20,65% der ge­wähl­ten Ge­mein­de­rä­te Frau­en, was trotz­dem 2005 ei­nen Fort­schritt ge­gen­ü­ber 1999 be­deu­te­te. Trotz­dem, so Jo­ël­le Letsch, wol­le kei­ner so rich­tig in ei­ner Welt le­ben, die nur zu 20% den Frau­en zu­ste­he.

Das Gleichgewicht wählen

An­läss­lich des sym­pa­ti­schen Zu­sam­men­tref­fens der Kan­di­da­tin­nen an der Mo­sel wur­den dann auch die Wäh­ler da­zu auf­ge­for­dert, das Gleich­ge­wicht zwi­schen den Män­nern und den Frau­en am Wahl­sonn­tag zu wäh­len.

Frau­en müss­ten ih­re An­lie­gen und Sicht­wei­sen ein­brin­gen, Frau­en müss­ten an Ent­schei­dungs­pro­zes­sen teil­neh­men. Das Gan­ze wur­de dann auch hu­mor­voll ab­ge­han­delt, war doch Schrift­stel­ler­in Jo­si­ane Kar­thei­ser ein­ge­la­den wor­den, um ei­nen hu­mo­ris­tisch-be­sinn­lic­hen Text zum The­ma Frau­en in der Po­li­tik vor­zu­le­sen. Aus die­sem Text ging her­vor, dass Frau­en sich leich­ter ab­schrec­ken las­sen, wenn sie glau­ben, von ei­ner Sa­che nichts zu ver­ste­hen, was Män­ner al­ler­dings noch nie zu­rück­ge­hal­ten ha­be, po­li­tisch tä­tig zu wer­den. Frau­en sei­en von Haus aus ge­wohnt, zu han­deln, prak­tisch zu den­ken und Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die müss­ten sich le­dig­lich trau­en, dies auch au­ßer Haus zu tun. Es wur­de ge­schmun­zelt, und der Ent­hül­lung des Ge­denk­stei­nes für die 1.067 Kan­di­da­tin­nen des Wahl­jah­res 2011 folg­te ein Eh­ren­wein im Kul­tur­zen­trum in Ahn. Der Ze­re­mo­nie wohn­te auch die Frau­en­mi­nis­te­rin Fran­çoi­se Het­to-Gaasch, so­wie der Bür­ger­meis­ter von Ahn Jean Bei­ning bei.

> CM

Artikel erschienen im
Journal vom 4.10.2011